Notfälle in der Kleinsäugeranlage – und wie erkennt man diese?

In einem der letzten Blog-Beiträge bei pet-expertise ging es darum, im Falle von Notfällen gut reagieren zu können und den Tieren eine tierärztliche Versorgung zukommen zu lassen.

Doch wie erkenne ich überhaupt einen solchen Notfall?

Dies einzuschätzen, wird von einer sachkundigen Person, die im Zoofachhandel arbeitet, durchaus erwartet. Dazu ist es unbedingt erforderlich, die Tiere täglich eine Weile in Ruhe zu beobachten. Dies droht im Alltagsstress im Markt leider manchmal unterzugehen.

Hier sind ein paar Hinweise auf Erkrankungen bei Kleinsäugern, wie sie immer wieder vorkommen:

  • Allgemeine Teilnahmslosigkeit: das Tier ist sehr ruhig und zurückgezogen, interagiert nicht mit den Artgenossen, ist an Futter nicht interessiert und bewegt sich kaum. Oft ist das Fell solcher Tiere stumpf und struppig.
  • Mangelnde Futteraufnahme: es handelt sich um einen dringenden Notfall, wenn ein Kleinsäuger länger als 24 Stunden kein Futteraufgenommen hat! Was für den Menschen erstmal kein Problem ist, führt beim Kleinsäuger zu massiven Stoffwechselstörungen, die dann tödlich enden können.
  • Atembeschwerden: angestrengte oder sehr schnelle oder sehr langsame Atmung (der Vergleich mit anderen Tieren lohnt, wenn man sich nicht ganz sicher ist). Nasenausfluss und weitere Schnupfensymptome wie verklebte Augen o.ä. können ergänzend hinzukommen.
  • Durchfall: ist leicht zu erkennen. Dann gilt es, herauszufinden, welche Tiere betroffen sind. Eines? Mehrere? Alle? Und bitte Achtung: es ist NICHT zuverlässig möglich, aus der Beschaffenheit oder dem Geruch des Durchfallkotes auf die genaue Ursache und Behandlung zu schließen! Der Kot und das Tier müssen untersucht werden. Bei Durchfall verlieren die Tiere bezogen auf ihr Körpergewicht sehr viel Flüssigkeit, die ersetzt werden muss.
  • Schock: höchste Eile ist geboten, wenn ein Tier sehr teilnahmslos erscheint, sich in Brust-Bauch- oder gar in Seitenlage befindet und dabei sehr flach und schnell oder sehr langsam atmet. Oft sind diese Tiere bereits unterkühlt.
  • Verletzungen aller Art, mit und ohne Blut. Nicht zu unterschätzen: Es ist schon vorgekommen, dass sogar Knochenbrüche über längere Zeit unerkannt blieben.
  • Schmerzsymptome: es handelt sich immer um äußerst dringende Notfälle, wenn Kaninchen mit den Zähnen knirschen oder gar schreien oder wenn sie im Zusammenhang mit anderen Anzeichen von Unwohlsein mit den Hinterläufen charakteristisch auf den Boden klopfen (sog. „Trommelsucht“). Bei allen Kleinsäugern sind eine zusammengekauerte Haltung mit aufgekrümmtem Rücken oder Krämpfe in den Hinterbeinen ein dringendes Alarmsignal.
  • Abmagerung: sie geschieht nicht von heute auf morgen, wird aber oft sehr spät entdeckt und weist auf ein ernstes gesundheitliches Problem hin. Hier kann ein weiteres Abwarten schlimme Konsequenzen haben.
  • Kopfschiefhaltung
  • Bewegungsstörungen: unsicheres Laufen, Schwanken, Lähmungserscheinungen einer oder mehrerer Gliedmaßen
  • Krampfanfälle: können aussehen wie heftiges Kratzen oder Zucken oder Zittern

In jedem Fall sollten ALLE Tiere des Bestandes auf etwaige Symptome untersucht werden. Nur zu oft passiert es, dass ein Tier behandelt wird, um dann später festzustellen, dass noch weitere Tiererkrankt sind. Dann findet ein weiterer Tierarztbesuch statt, der vermeidbar gewesen wäre.