Fische einsetzen – gibt es die reine Wahrheit?

Blue guppy fish. Poecilia reticulataJe nach Größe einer Aquaristikverkaufsanlage werden einmal in der Woche oder öfter neue Fische eingesetzt. Und da scheiden sich schon die Geister. Wie genau werden denn Fische eingesetzt? Einfach kurzer Temperaturangleich, dann Augen zu und durch, also Tüte auf und rein? Oder doch lieber über mehrere Stunden mit der Tröpfchenmethode unter peinlichster Vermeidung des Eintrags von Transportwasser?

Wie auch immer – (fast) jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile.

Wichtig ist die Beachtung einiger dringender Punkte, die immer gelten sollten.

  • Bei der Anlieferung sollten die Fische auf Ihren offensichtlichen Gesundheitszustand kontrolliert werden.
  • Es muss sich möglichst schnell nach der Anlieferung jemand um das Einsetzen der Fische kümmern – der Transport war Stress genug für die Tiere.
  • Solange nichts mit den Fischen passiert, bleiben die Styroporkisten geschlossen. Die Dunkelheit beruhigt die Tiere etwas. Die Beutel mit den Fischen liegen NIE, aber auch gar NIE, auf dem Boden oder auf einer sonstigen Oberfläche im Laden.
  • Eine ausreichende Temperaturangleichung (Beutel schwimmen in den Becken) ist in der Regel nach 20 Minuten erfolgt.
  • Während des Temperaturangleichs sollte idealerweise das Licht der Verkaufsanlage aus sein. Das kann auch durch ein Verstellen der Reflektoren über den Becken erfolgen. So wird den Neuankömmlingen Stress genommen.
  • Wenn die Beutel aufgeschnitten werden, ist darauf zu achten, dass IMMER ein ausreichender Luftaustausch stattfinden kann. Dies erfordert eine möglichst große Oberfläche des Wassers mit der Luft. NIEMALS werden die Beutel in den Klappen der Anlage eingeklemmt!
  • Auffällige Fische werden nicht in die Verkaufsanlage, sondern in ein separates Quarantänebecken zur weiteren Beobachtung gesetzt. Und das möglichst umgehend, dass sie nicht in ihrem kleinen Beutel mit offensichtlich ungünstigen Bedingungen bleiben müssen. Hier könnte es um Leben und Tod gehen.
  • In Becken bzw. Filterkreisläufe mit bereits auffälligen Fischen werden selbstverständlich KEINE neuen Fische eingesetzt.
  • Verschmutztes Transportwasser darf auf keinen Fall in die Becken gelangen.
  • Benutzte Instrumente (aller Art!) dürfen NICHT zwischen den einzelnen Filterkreisläufen hin- und herwandern.
  • Netze haben beim Fische einsetzen meiner Meinung nach nichts verloren, da sie die Schleimhaut der ohnehin gestressten Tiere auf jeden Fall schädigen. Diese kleinen Vorschädigungen würden weiteren Krankheitserregern den Weg freimachen.
  • Fische unterschiedlicher Lieferanten gehören in separate Filterkreisläufe. Dieser Rat wird selten ernstgenommen – es würde sich aber lohnen!

Und hier hören die allgemeingültigen Regeln schon auf.

  • Natürlich kann man den Leitwert im Transportwasser und im eigenen Wasser messen (habe ich selten erlebt. Man muss dann übrigens auch wissen, was man tut, wenn es Abweichungen gibt).
  • Natürlich ist eine pH-Kontrolle empfehlenswert und macht sicherlich auch Sinn, so dass die einzusetzenden Tiere keine allzu große Veränderung kompensieren müssen. Dies führt sehr schnell zu Schädigungen der Tiere. Reine Teststreifen für den pH-Wert gibt es für kleines Geld, z.B. in der Apotheke.
  • Natürlich sollte das Rein-Raus-Verfahren betrieben werden.

Aber ich möchte / muss an dieser Stelle realistisch bleiben, da ich bisher noch keinen Zoofachhandel gesehen habe, der das alles in der Aquaristik konsequent durchführt oder durchführen kann.

Meine Erfahrung sagt: Methoden, die eventuell nicht ganz nach Lehrbuch gestaltet sind, aber Hygienegrundregeln beachten und den Handlings-Stress für die Fische möglichst gering halten, sind die erfolgreichsten.

Mehr Infos erhalten Sie gerne bei pet-expertise. Kontaktieren Sie mich!

 

(Bild: © johannes – Fotolia.com)